Aggressivität hat viele Gesichter und viele mögliche Ursachen. Das ist bei Hunden nicht anders als bei uns Menschen.
In der Regel ist es nicht der Aggressive, der unter seinem Verhalten leidet, sondern seine Umwelt.
Dies unterscheidet ihn vom Ängstlichen.
Der Ängstliche fürchtet sich, spürt Spannungen und Nervosität, erlebt sich als bedroht und möchte sich am liebsten verstecken.
Der Ängstliche spürt, wie seine Freiheit immer weniger wird, wie seine Einschränkungen ihm zunehmend das Leben vergällen und wünscht sich nichts mehr als schnelle Hilfe, um aus seinem Gefängnis der Angst entkommen zu können.
Der Aggressive hingegen leidet wenig unter seinen Spannungen, denn er entlädt sie, sobald sie ihm zu groß, zu intensiv werden, in seine Umwelt.
Dem Aggressiven “platzt der Kragen”, wenn sein Maß voll ist und er lässt seine Mitmenschen und die Tiere in seiner Umgebung wissen, dass er nicht mit sich spaßen lässt.
Durch dieses Verhalten verschafft er sich Luft, er befreit sich von seinen Gefühlen, verschafft sich Platz und Respekt.
Dies tut er, indem er anderen Angst einflößt.
Jeder von uns kennt mindestens einen Ängstlichen und, wenn er oder sie Glück hat, nur einen Aggressiven.
In jedem von uns schlummert die Bereitschaft zu beidem.
Was hat dieses mit dem Hund zu tun?
Da Hunde ja auch nur Menschen sind, trifft meine Beschreibung auch auf unsere vierbeinigen Freunde zu, wenngleich auch in etwas abgewandelter Form.
Ein ängstlicher Hund fühlt sich von seiner Umwelt bedroht, er leidet unter seiner Angst und ist daher offen für Veränderung.
Der ängstliche Hund zieht keinerlei Gewinn aus seiner Angst, denn er weiß, dass er mit dieser Angst nicht überleben kann.
Die Angst wird ihn daran hindern, sich fortzupflanzen, sie wird ihn daran hindern, mit den anderen Hunden zur Jagd zu gehen und ein vollwertiges Mitglied seines Rudels zu sein.
Kurzum, seine Angst wird ihn ein schweres Leben bescheren und die Rudelposition des Prügelknabens.
Anders der aggressive Hund.
Er weiß, dass aggressives Verhalten ein Erfolgsmodell darstellt.
Durch seine Bereitschaft, andere einzuschüchtern und sie nötigenfalls auch zu beißen, wird er sich schnell eine höhere Rudelposition erarbeiten, er wird durch seine Aggressivität ein wertvolles Mitglied in Jagdverband und kann seinen Anspruch auf die besten Teile der Beute mit Leichtigkeit durchsetzen.
Im Hunderudel gehören die Ängstlichen zu den Verlierern und die Aggressiven zu den Gewinnern.
Ist dieses in der menschlichen Gesellschaft anders? Es sieht zumindest nicht so aus.
Da seine Aggressivität ihm viele Vorteile verschafft, ist der aggressive Hund nicht wirklich motiviert, sein Verhalten zu ändern.




